St. Sebastian Buchholz

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Buchholz

Das Dorf Buchholz ist die erste urkundlich genannte Siedlung im Bereich der Pfarrei Herschwiesen. In dem "Schwedischen Krieg" ist auch die erste Kirche in Buchholz eingeäschert worden, wie uns das Visitationsprotokoll von 1657 mitteilt. Die Kirche war dem hl. Sebastian, der hl. Barbara und der hl. Katharina geweiht. In der folgenden Zeit ist zwar von einem Kapellenbau nichts bekannt, doch muß Anfang des 18. Jahrhunderts ein neues Gotteshaus in Buchholz gebaut worden sein, denn in den noch vorhandenen Jahresrechnungen ist von Gottesdiensten in der Kapelle zu Buchholz die Rede. Es werden auch mehrere Messestiftungen erwähnt, so 1753 zwanzig und 1769 fünfundzwanzig Wochen- und Jahresmessen.

Durch mündliche Überlieferung wird von einem Bittgang nach Bornhofen folgendes berichtet.

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde Buchholz von einer schlimmen Viehseuche befallen, der die meisten Tiere zum Opfer fielen. Die Bewohner des Dorfes nahmen dieses Tiersterben als eine Heimsuchung Gottes an und gelobten öffentlich, zur Abwendung der Seuche am St. Anna-Tag eine Wallfahrt zur Marien-Gnadenstätte in Bornhofen zu unternehmen. So zog eine Prozession, an der die meisten Buchholzer bis auf die kleinen Kinder und Alten und Gebrechlichen teilnahmen, zum alten Wallfahrtsort am Rhein, um dort auf die Fürsprache der  Schmerzhaften Muttergottes die göttliche Barmherzigkeit zu erflehen. Bei ihrer Rückkehr wurden die Wallfahrer schon im Bopparder Wald von den kleinen Kindern mit Jubel empfangen: "Unser Vieh ist gesund, es frisst wieder!"

Aus Dankbarkeit für diese Hilfe gelobten die Buchholzer, auch zukünftig jährlich am Anna-Tag nach Bornhofen zu wallfahrten. Das Versprechen wurde bis heute gehalten.

St. Sebastian

Die Buchholzer Filialkirche war im Laufe der Zeit so baufällig geworden, dass sie im Jahre 1888 baupolizeilich geschlossen und drei Jahre später abgerissen werden musste.

Gleich nach dem Abbruch wurde der Plan gefasst, eine neue Kirche zu bauen. 1892 kam es bereits zum Baubeginn. Noch im gleichen Jahr wurde die neue Kirche unter Dach gebracht. Doch dann ruhten die Arbeiten drei Jahre, da infolge der Mißernten 1892 und 1893 kaum Spenden für den Neubau eingingen.

Im Jahr 1895 ging man dann aber mit neuem Eifer an den Weiterbau, und am Fest des Dorfpatrons St. Sebastian, am 20. Januar 1896, konnte die neue Kirche in einer erhebenden Feier, die in der Schulchronik mit überschwenglicher Begeisterung geschildert wird, durch Pfarrer Peter Eberhardy aus Herschwiesen eingeweiht werden. Die vollständige innere Ausstattung erfolgte in den nächsten Jahren.

Im Jahr 1967, ergab sich die Notwendigkeit, durch den sprunghaften Anstieg der Einwohnerzahl in Buchholz, einen eigenen Seelsorgebezirk zu gründen und eine neue Kirche zu bauen. Am 14.02.1969 wurde Buchholz durch Anordnung von Diözesanbischof Dr. Bernhard Stein eine selbständige Kirchengemeinde. 

Bereits am 02.03.1969 stellte Pastor Wiegand mit Adolf Mohr einen neuen Seelsorger in Buchholz vor, der am 23. März 1969 seinen ersten Gottesdienst in der Gemeinde feierte. In den Jahren 1974 bis 1976 baute die Pfarrei dann eine neue Pfarrkirche. Am 19.07.1974 erfolgte die Grundsteinlegung. Weihnachten 1975 konnte der erste Gottesdienst in der neuen Kirche gehalten werden und am 09. September 1979 nahm Weihbischof Karl-Heinz Jakoby aus Trier die feierliche Einweihung vor.

Im Herbst 1994 ging Pfarrer Adolf Mohr in den wohlverdienten Ruhestand und am 20. - 21. Mai 1995 wurde Pfarrer Walter Kanzler als neuer Pfarrer in Herschwiesen und Buchholz eingeführt.

Neue Fasen Orgel

Am 12. Dezember 2014 wurde in Boppard-Buchholz. St. Sebastian die neue Pfeifenorgel von Hubert Fasen, Oberbettingen eingeweiht.

Damit fanden Überlegungen eine überzeugende Realisierung, die bereits im Jahr 1970 begannen. Damals fragte der Archi­tekt des Gemeindezentrums, Prof. W. Förderer beim damaligen Orgelsachverständigen des Bistums, Domkapellmeister R. Heinemann nach dem Platzbedarf einer Orgel im Kirchenraum mit 400 Sitzplätzen.

Im Jahr 1978 wurden acht Angebote verschiedener Orgelbauer mit Registerzahlen zwischen 12 und 18 von Domorganist W. Oehms geprüft. Pfarrer A. Mohr urteilte:

"Die Preisfrage wollen wir zunächst einmal außer Acht lassen, denn eine Orgel wird nur einmal angeschafft, und dann sollte man sich für etwas Ordentliches entscheiden. Ist es dann zu teuer, müssen wir eben noch weiter sparen."

Offensichtlich waren die Angebote tatsächlich zu teuer und es wurde zunächst ein einmanualiges Walcker-Positiv als In­terimsinstrument beschafft.

Nachdem zwischenzeitlich sogar an den Kauf eines elektronischen Instruments gedacht worden war, lagen seit 2011 wieder Angebote für eine größere Pfeifenorgel vor. Das Angebot von Orgelbaumeister Fasen vom 3. Januar 2011 zum Orgelneubau unter Verwendung gebrauchter Orgelteile wurde nach einem mutigen richtungsweisenden Beschluss des Orgelbauvereins weiterverfolgt.

Statt des zu dicht und zu massig am Altarraum gelegenen ersten Planungsentwurfs wurde nach einem Ortstermin mit dem Architekten J. Eltges von der Bischöflichen Baubehörde der vom Kirchenarchitekten ursprünglich vorgesehene Orgelstandort in die Überlegungen einbezogen.

Durch ein anfangs nicht zu erwartenden Spendenaufkommen konnte die Disposition von 15 Registern auf 28 klingende Stimmen erweitert werden. Insbesondere die Vielfalt der Zungenstimmen, die Selbständigkeit des Pedalwerks, die Optik des Prospekts mit den Spanischen Trompeten, Nebenregister wie Glockenspiel, Cymbelstern und Nachtigall sowie technische Möglichkeiten der BUS-Steuerung der Traktur wie Setzerkombinationen, Subkoppeln, Extensionen, Transmissionen, Tastenfessel und Transponiereinrichtung sind noch in den letzten Planungsstadien weiterentwickelt worden.

Die Klänge der Orgel entfalten sich im Kirchenraum zwar präsent und deutlich, aber nicht zu trocken. Durch die geschickte Aufstellung des Spieltischs kann der Organist sowohl den Altarraum überblicken als auch den Kontakt zu Sängern, Instrumentalisten und der versammelten Gemeinde halten. Die vielseitige Disposition ist zwar in erster Linie auf barocke Musik ausgerichtet, eröffnet allerdings durch die mischungsfähige künstlerische Intonation erstaunliche Möglichkeiten auch zur Darstellung der Musik anderer Epochen bis zur spontanen Improvisation.

Die Disposition stellt sich wie folgt dar:

Pedal: C-f'

(Windladen und Pfeifen aus der Walcker­Orgel von 1968 in Irrel, St. Ambrosius)

1.     Subbass 16' (Walcker)

2.     Octavbass 8' (Walcker)

3.     Gemshorn 8' (Walcker)

4.     Choralbass 4' (Laukhuft)

5.     Pedalflöte 4' (Lager Fasen)

6.     Posaune 16' (Walcker)

7.     Spanische Trompete 8' (Transmission, neu, Jann)

8.     Spanische Trompete 4' (Transmission, neu, Jann)

9.     Pedalkoppel I

10.   Pedalkoppel II

Hauptwerk: I. Manual, C-g'"

(2 Windladen und Pfeifen aus der Willi­Peter-Orgel von 1958 in Düsseldorf-Urdenbach, evangelische Dorfkirche)

11.  Principal 8'
       (C -H Prospekt aus Lager Fasen, ab c° neu, Jann)

12.  Holzflöte 8'
       (C-H gemeinsam mit Gedackt 8', Peter)

13.  Gedackt 8' (Peter)

14.  Salicional 8'
       (Lager Fasen, aus England)

15.  Octave 4' (Lager Fasen)

16.  Rohrflöte 4' (Peter)

17.  Nasat 2 2/3' (Peter)

18.  Superoctave 2' (Peter)

19.  Terz 1 3/5' (Lager Fasen)

20.  Mixtur 3-4fach 1 1/3' (Repetitionen bei g°, g', g", Peter)

21.  Trompete 8' (Peter)

22.  Vox humana 8' (neu, Jann)

23.  Spanische Trompete 8' (Einzeltonansteuerung, neu, Jann)

24.  Spanische Trompete 4'
       (Extension, neu, Jann)

25.  Glockenspiel (c°-d", neu, Laukhuft)

26.  Tremulant

27.  Manualkoppel II-I

28.  Subkoppel II-I

Hinterwerk: II. Manual, C-g'"

(Windlade und Pfeifen aus der Willi­Peter-Orgel von 1956 in Leverkusen­Manford, evangelische Johanneskirche, Chororgel)

29.  Rohrflöte 8' (Peter)

30.  Quintade 8' (Peter)

31.  Praestant 4' (Peter)

32.  Flaut 4' (Peter)

33.  Sifflöte 2' (Peter)

34.  Quinte 1 1/3' (Peter)

35.  Krummhorn 8' (Peter)

36.  Spanische Trompete 8' (Transmission)

37.  Spanische Trompete 4' (Transmission)

38.  Glockenspiel (Transmission)

39.  Subkoppel II

40.  Tremulant

Nebenregister

41.  Cymbelstern (neu, Heuss)

42.  Nachtigall (neu, Fasen)

Klaus Evers unter Verwendung der Orgelakte des Bischöflichen Generalvikariats und der Angaben von Orgelbaumeister Hubert Fasen 

Glocken

In der Glockenstube haben 4 Glocken Platz (je 2 übereinander).

Am 28. April 1977 wurde die Fa. Mark, Brockscheid (Eifel) damit beauftragt 4 Bronzeglocken nach folgender Festlegung zu gießen.

1. Glocke mit Ton as´, Durchmesser 0,98 m, Gewicht ca. 600 kg

2. Glocke mit Ton b´,  Durchmesser 0,87 m, Gewicht ca. 400 kg

3. Glocke mit Ton ces, Durchmesser 0,82 m, Gewicht ca 350 kg

4. Glocke mit Ton des, Durchmesser 0,72 m, Gewicht ca 250 kg

Am 10. Dezember weihte Herr Ordinariatsdirektor Hermann Josef Leininger, Trier, die Glocken zu Ehren der Heiligsten Dreifaltigkeit, der Gottesmutter, des hl. Josef und des hl. Sebastian.